Kristian Novak

Kristian Novak (1979) was born in Baden-Baden, Germany. He attended primary school in Sv. Martin na Muri and grammar school in Čakovec. Graduating in Croatian and German Studies at the Faculty of Philosophy in Zagreb in 2005, he earned his Ph.D. from Postgraduate Linguistics Studies in 2011. He holds a lectureship with the Department of Croatian Studies at the Faculty of Philosophy in Rijeka and teaches also at the Department of German Studies in Zagreb. Novak’s chief areas of research include historical sociolinguistics, multilingualism (Croatian–German language and culture contacts) and national identity. In 2012 he published the extensive study Višejezičnost i kolektivni identiteti iliraca (Multilingualism and Collective Identities of the Members of the Illyrian Movement).
Kristian Novak was standard member of Croatian karate national team from 1996 to 2009, winning a range of individual and team awards at national and global karate championships.
Novak’s high school poems were included in the Antologija međimurske mlade lirike (Anthology of Young Poetry of Međimurje, 2011)
His novel Obješeni was published in 2005.
His highly acclaimed second novel Črna mati zemla was published in 2013. The novel was shortlisted for the Kiklop prize 2013 and named the best fictional prose of the year by literary critic of Jutarnji list Jagna Pogačnik. In 2014, the novel won the Tportal prize for best novel in 2013. Črna mati zemla is currently being translated to Slovenian (by Đurđa Strsoglavec, scheduled for 2015 with the publisher Modrijan) and Hungarian (by Antal Bognar).

Kristian Novak (1979) wurde in Baden-Baden als Sohn kroatischer Gastarbeiter geboren. Nach der Grundschule in Sv. Martin na Muri und dem Gymnasium in Čakovec studierte er Kroatistik und Germanistik an der Philosophischen Fakultät in Zagreb und doktorierte 2011 in Linguistik. Er ist Mitarbeiter der Abteilung für Kroatistik der Philosophischen Fakultät in Rijeka und hält Vorlesungen an der Abteilung für Germanistik in Zagreb. Zu seinen Sonderforschungsbereichen gehören historische Soziolinguistik, Mehrsprachigkeit (deutsch-kroatische Sprach- und Kulturkontakte) und Nationalidentität. 2012 veröffentlichte er die umfangreiche Studie Višejezičnost i kolektivni identiteti iliraca (Mehrsprachigkeit und kollektive Identitäten der Mitglieder der illyrischen Bewegung).
1996 bis 2009 war er Standardmitglied der kroatischen Karate-Nationalmannschaft und gewann eine Reihe von Einzel- und Mannschftsauszeichnungen an Europa- und Weltmeisterschaften.
Novaks Gedichte aus den Mittelschuljahren wurden 2011 in die Antologija međimurske mlade lirike (Anthologie der jungen Lyrik in Međimurje) aufgenommen.
2005 erschien sein Roman Obješeni (Die Gehängten).
2013 erschien sein zweiter Roman, Črna mati zemla (Schwarze Mutter Erde) und begeisterte in kürzester Zeit das kroatische Lesepublikum und Literaturkritiker. Kristian Novak erhielt den Tportal-Preis für den besten kroatischen Roman in 2013.

Auswahl aus der Literaturkritik

„…der Text wirft ein Geflecht verschiedener Fragestellungen auf, unter anderem über das Verhältnis zwischen Faktion und Fiktion, die Problematik von Tod im Trauma, die Destruktivität/Kreativität der Erinnerung, und über vieles mehr. Das Wichtigtste ist jedoch, dass uns Novak's Text zeigt, auf welche Weise wir in der Welt, beziehungsweise in der Sprache existieren, aber auch auf welche Weise Literatur und Literaturkritik entstehen – darum ist das, worüber der Text spricht, weinger Anstoss erregend als dass, was der Text über uns spricht. Deswegen muss ich sagen, dass dies eines der wenigen Werke zeitgenössischer kroatischer Literatur ist, das buchstäblich begeistert, und dabei will ich stehen bleiben.“
Kristina Špiranec, booksa.hr
„…mit der Reihe von acht Selbstmorden, die im Frühling 1991 im Roman geschehen, kündigt der Author metaphorisch die blutigen und dunklen Neunziger an. Gleichfalls erscheint das Erfinden und Fabrizieren der Vergangenheit des Romanhelden als ein metaphorisches Ebenbild der politisch motivierten Fälschung historischer Tatbestände und der Fabrizierung des kollektiven Gedächtnisses, deren Opfer wir in den Neunziger waren…“
„Es handelt sich um einen Schriftsteller mit ausgeprägtem Sinn für Suspense, geschickte Handlungsführung und beeindruckende Atmosphärenschilderung, sowie glaubwürdige Psychologisierung. Die größte Qualität des Romans ist jedoch seine Komplexität und Vielschichtigkeit; der Author erfasst ein breites Themespektrum, schaltet zwischen verschiedenen Diskursen, Genren, Gefühlsregistern, Ambienten und Dialekten, und bleibt dabei unterhaltsam, geistvoll und dynamisch, und trotz finsterer Thematik und häufiger kritischer Züge weder bedrückend noch anstrengend.“
„…‘Črna mati zemla’ ist eine angenehme Überraschung und ein wahrhaftig erfirschendes Stück Prosa, und Kristian Novak ein Name, den es sich zu merken gilt…“
Božidar Alajbegović, Kroatischer Rundfunk

„Auch wenn der Romantitel anderes ahnen lässt, “Črna mati zemla” (Schwarze Mutter Erde), ist keineswegs ausschliesslich mit Schwarztönen gemalt, obwhol darin finstere Farben vorkommen, Verluste, sogar ein Fall von Pädophilie, was schon zum zweiten Mal in diesem Jahr als Thema in einem kroatischen Roman vorkommt. “Črna mati zemla” hat auch viele helle Töne und ist eigentlich, wie Matija in seinem Brief an Dina schreibt, vor allem eine Liebesgeschichte.“
„Bei seiner Rückverfolgung von Matija's Vergangenheit ist es Kristian Novak gelungen, was nur seltenen Schriftstellern gelingt (…), und gerade dieser Erfolgt bestimmt, ob der Schriftsteller schlecht, mittelmäßig oder selten hervorragend ist: Novak schuf einen Protagonisten, der sich in die Literturlandschaft Kroatiens einprägte, und mit Recht Held genannt werden kann, obwohl er im größten Teil des Romans nur ein kleines Kind ist.
Es gibt nämlich Bücher, die in uns tektonische Zerrüttungen hervorrufen (…)“Črna mati zemla” ist eines dieser Bücher.“
Tanja Tolić, Najboljeknjige.com

„Kristian Novak (…) ist kein typischer Schriftsteller. Dieser Wissenschaftler und Universitätsdozent, anerkannter Germanist, reihte Erfolge auch im Karate. Sein neuer Roman verschafte ihm nun Eintritt in den Kreis der besten Erzähler in Kroatien (…).
(…) In seiner Wiedergabe der frühen Kindheitsjahre von Dolenčec schrieb Novak eine bisher unerfasste Geschichte der Glauben, Mythen, Legenden, Hassgefühle und Märchen von Međimurje auf. Er schuf eine beeindruckende Gallerie von Figuren und verwickelte diese in ein rassiges danse macabre.
(…) Novak's Roman hat Elemente von Krimigeschichten, Horrorerzählungen, Liebesromanen, aber auch Sozialsatyre und -chronik. “Črna mati zemla” ist jedoch vor allem eine erschütternde Geschichte von einem Kind, das panikerfüllt nach Liebe sucht.“
Denis Derk, Večernji list

“Črna mati zemla” ist ein Buch, das einen neuen, andersartigen und ziemlich erzählungskompetenten Namen auf der kroatischen Literaturszene zum Vorschein bringt. Der Roman beinhaltet und verbindet unterschiedliche und wichtige Ebenen, mit welchen sich die zeitgenössische kroatische Prosa befasst, wählt aber ganz verschiedene Ausgangs- und Zielpunkte (…)“
„Novak's Held Matija muss sich schliesslich auseinandersetzen: mit sich selbst, mit seiner Angst, dass alle die wir lieben sterben werden, und mit seiner unglücklichen Heimat. Der Leser wird begreifen, dass kein privater Horror größer ist als derjenige, den wir in die persönliche oder kollektive Amnesie und ins Unbewusste verdrängen wollen.“
Jagna Pogačnik, Jutarnji list
Anerkennung verdient durchaus Novak's sprachliche Virtuosität. (…) Mitten in die Welt der Gekennzeicheten hineingezogen, bekommt der Leser die Gelegenheit, die ganze Pathologie kleiner Gemeinschaften auf dem Werk zu sehen, wie sie Novak mit akribischer Präzision schildert.
Eine weitere Qualität des Romans ist die Liebesgeschichte zwischen dem erwachsenen Matija Dolenčec und Dina Gajski, mit welcher sich das erste Drittel der Naration befasst. Diese (traurige?!), suggestiv geschriebene und mit scharfen Beobachtungen und glänzender Dynamik geleiferte Liebesgeschichte, die als Auslöser für die Zentralgeschichte des Romans dient, ist wahrscheinlich der beste Text, der in der regionalen Prosa der letzten Jahre der Liebhaberbeziehung als literarischem Schwerpunkt gewidmet ist. Durch geschickte Vermeidung von Klischeen, das Intime gerade bis zur Grenze von gutem Geschmack und Kitsch entblößend, schaffte Novak es, mehrere objective correlatives zu finden, welche die Tiefe dieses Verhältnisses auszudrücken vermagen (…)
Vladimir Arsenić, e-novine
Črna mati zemla – Schwarze Mutter Erde
Manches kann niemals tief genug begraben werden.

Aus dem Umschlagtext von Schwarze Mutter Erde
Von Kristian Novaks Erstlingsroman Obješeni (Die Gehängten) hatte, durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, kaum jemand gehört. Von seinem zweiten Roman Črna mati zemla (Schwarze Mutter Erde) wird bald kaum ein gebildeter Mensch wagen zu behaupten, nicht gehört zu haben. Aufgesetzt während Novaks Forschungsaufenthalt in Berlin 2009 und nach vier Jahren vollendet, Črna mati zemla ist einfach ein großes und unerlässliches Werk eines hochtalentierten und gekonnten Schriftstellers, der – wenn er weiter schreibt - zu einem der wichtigsten zeitgenössischen Autoren in Kroatien wird.
Črna mati zemla ist ein Roman über den erfolgreichen jungen Schriftsteller Matija Dolenčec und sein Bemühen, die Schaffens- und Gefühlskrise zu überwinden indem er seine eigene, tief verdrängte und durch Erdachtes ersetzte Geschichte ans Licht bringt. Ein Roman über die persönliche Reise aus dem Grellbeleuchteten, Entfremdeten und Urbanen in das Dunkle, Unmittelbare und Rurale.
Die verdrängte Lebensgeschichte Dolenčecs ist eine traumatische Geschichte über seine Kindheit in einem Dorf in Međimurje, über den Tod des in Deutschland gastarbeitenden Vaters, den das Kind nicht verkraften kann, und glaubt, ihn lebendig wieder finden zu können. Von der Suche nach seinem Vater kommt er in wahrem Sinne nicht mehr zurück. Es folgen für immer verlorene Freundschaften, imaginäre Freunde die zu Dämonen werden und, letztendlich, die Schuld und soziale Isolierung infolge von acht ungeklärten Selbstmorden in die das Kind grausam verwickelt ist.
Kollektive Paranoia verstrickt mit großen Mythen und lokalen Legenden, mit dem historischen Bruch von 1991, mit täglichen Lügen, Grausamkeit, Einsamkeit und Liebe. Übergreifend, tiefgehend und erschütternd geschilderte intime Szenen aus dem Zwielicht, meisterhafte Portraits, qualvolle Episoden von Gewalt und Pädophilie, funkelnder Humor und feine Reflexionen machen diesen Roman zu einem ländlichen Panorama, zu einer Galerie unvergesslicher Porträtbilder, zu einem Schauerbild, umflackert von Kerzen aus dem dunklen Wald und gehüllt in Nebel von kalten Flussufern, zu einem Rückblick auf die Vergangenheit mit ihren Panzern, Fußballwahn, Sozialismus und archetypischen Verhaltensmustern. Doch das ist bei weitem nicht alles: dieser Roman ist gleichzeitig ein Hinweis, wie man Liebe retten kann, ein Schrei gegen Umweltzerstörung und vieles mehr.
Für die kroatische Ausgabe des Romans gestaltete Dunja Janković, eine der bedeutendsten jungen kroatischen Künstlerinnen, drei Titelbilder.

Auswahl aus dem Interview von Božidar Alajbegović für Moderna vremena info

Sind Sie auch der Meinung, dass beide Ihrer Romane eine Art durch Trauma hervorgerufener seelischer Desintegrierung und die von Ihren Romanfiguren erlebte Identitätsveränderung thematisieren?

Allerdings. Was mich immer wieder davon überzeugt, dass wir Menschen tatsächlich seltsame Organismen sind (nicht unbedingt der gleichen Art), ist die Tatsache, dass wir krampfhaft an der Illusion festhalten, es gäbe eine Kontinuität der eigenen Identität und der Identität von Menschen, die uns etwas bedeuten. Wir reagieren aber ganz unterschiedlich, wenn Aporien und Diskontinuitäten in unseren eigenen und fremden Identitätskonstruktionen zum Vorschein kommen. Unsere eigenen Handlungen finden wir immer motifiviert, gerechtfertigt, logisch – bei anderen nehemen wir Anstoss an Falschheit, plötzlichen und durch nichts berechtigten Änderung von Standpunkten. Mir scheint es aber gerade, dass wir uns mehrere Male durchs Leben tiefgründig verändern, und dass sollte man akzeptieren. Diese Veränderung ist nämlich schon vorbestimmt. Es ist jedoch schwer, Verständis dafür zu haben und da kommt es unbedingt zu Konflikten. Zwischen Individuen, aber auch zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft.

Was beide Romane auch gemeinsam haben, ist die Randthematisierung des Gastarbeitertums, was leider auch ein vernachlässigtes Thema in unserer Literatur ist. Wenn ich mich nicht täusche, sind Sie ein Gastarbeiterkind und diese Romanpassagen könnte man daher auch autobiographisch lesen?

Wie schon gesagt, ich bezweifle dass mich je etwas zum schreiben motivieren wird, wenn es mir nicht nahe liegt. Ich bin ein Gasterbeiterkind, Gastarbeiter sind außerdem wichtig wenn mann die Region Međimurje als sozial-symbolisches System verstehen will und sie sind auch eine endlose Quelle interessanter und oft trauriger Motive. Diese Leute suchten ihr Glück weit von der Heimat, bemühten sich, gute Bürger in einem fremden Land zu sein, kämpften gegen Vorurteile. Mit der Zeit schwand aber die Identifizierungsfähigkeit mit der heimatlichen Gesellschaft durchwegs, weil sie sich auf andere Wertsysteme und Gerechtigkeitsnormen gewohnten. Das scheint schliesslich einen neuen Identifizierungsrahmen hervorgebracht zu haben: den eines Menschen, der nirgendwo mehr ganz zu Hause ist und nicht aufhört, nach einer Heimat zu suchen, die es nicht mehr gibt, und die es vielleicht überhaupt nie gegeben hat. Das ist, und war schon immer, ein schrecklich zugkräftiges Motiv für mich.

'Črna mati zemla' ist ein vielschichtiges Werk, das sich mit zahlreichen Themen auseinandersetzt. Einer der Schwerpunkte ist die Schreibkrise des Protagonisten, die ironish mit seinem Gedächtnisschwund verbunden wird, wodurch auch das Verhältnis zwischen Kunst, Wahrheit und Lüge, aber auch den Einfluss der Schriftstellerbiographie auf das Schreiben selbst, problematisiret wird.

Jemand sagte, das Erzählen sei das Hauptverfahren durch welches ein menschliches Wesen seiner unmittelbaren Erfahrung einen Sinn gibt. Damit stimme ich völlig überein. Ich glaube auch, das Erzählen mehr als reine Organisierung von Erinnerung in eine konkrete logische Reihe ist; es dient auch dem Füllen von Gedächnislücken und der Erklärung des Unerklärbaren. Wenn das so ist, könen wir nicht mehr von Objektivität reden (wenn wir das überhaupt je könnten). Die Hauptfigur des Romans ist ein Mann, der geschickt erzählen kann, als Schriftsteller und als Person. Er ist jedoch unfähig, die einzige wirklich wichtige Geschichte für sein Leben zu erzählen – die Geschichte von sich selbst.

Die Sache ist im Roman so ausgelegt, dass er, wenn es ihm nicht geligt zu sagen, was in seiner Kindheit geschah, er die Frau verliert, um die es ihm am meisten geht. Es wird ihm bewusst, dass er die Geschichte von sich selbst größtenteils erdacht und kompiliert hatte, er ist schockiert darüber und plötzlich geht es ihm nicht mehr um eine weitere erdachte Geschichte, einen weiteren Bucherfolg, sondern um seine eigene Erfahrung, wie immer sie sein mag. Es fällt mit überhaupt nicht ein zu sagen, dass dies eine universelle Spannung in jedem kreativen Schreiben sein könnte, bei mir ist es aber zum großen Teil gerade so.
 


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